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Hans Wewerka. Draußen - Straßenszenen in Steinzeug

15.09.2022 – 11.12.2022 / Forum Gestaltung, Ausstellungshalle, Magdeburg

Hans Wewerka. Draußen – Straßenszenen in Steinzeug

Kuratorinnen: Dr. Katharina Uhl und Dr. Nele van Wieringen

→ Impressionen aus der Ausstellung

 

Vom 15. September bis 11. Dezember sind in der Ausstellungshalle des Forum Gestaltung erstmals nahezu alle bekannten Figuren des Bildhauers Hans Wewerka (1888–1915) zu sehen.
Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog mit Werkverzeichnis, der den aktuellen Forschungsstand zu Leben und Werk Hans Wewerkas dokumentiert.

Hans Wewerka wurde 1888 in Albrechtsdorf, im heutigen Tschechien geboren und stammt aus einer aus Böhmen eingewanderten Töpferfamilie. Als Student der Keramischen Fachschule in Höhr kam er früh mit dem künstlerischen Modernisierungsschub in Berührung, den die Westerwälder Steinzeugindustrie nach 1900 erlebte. Bekannte Designer wie Henry van de Velde, Richard Riemerschmid und Peter Behrens stellten damals ihre Entwürfe für die Herstellung von Gebrauchskeramik zur Verfügung.

Bereits im Alter von 17 Jahren begann Wewerka erste Figuren aus Steinzeug zu entwickeln. So entstanden zwischen 1905 und 1914 über fünfzig Figuren, von denen ein großer Teil in der Ausstellung Hans Wewerka. Draußen zu sehen ist. In ihrer thematischen Bandbreite geben sie einen Einblick in die sozialen Milieus der damaligen Zeit. Bei näherer Betrachtung rücken sie alltägliche Vorgänge ins Bewusstsein und vermitteln ein Empfinden des Lebens, das über das Alltägliche hinausgeht.

Bei Wewerka geht es nicht um die Darstellung von individuellen Personen oder um die Vermittlung ewiger Werte, sondern um intime Momente des Lebens. Zu ‚Straßenszenen‘ gruppiert, geben seine Figuren durch ihre Pose und Kleidung auch Aufschluss über ihren Lebensraum, ihren Beruf und ihre Rolle. Gleichzeitig wirken sie nach innen gekehrt, scheinen eigenen inneren Antrieben, Wünschen und Bedürfnissen zu folgen.

In der Ausstellung ebenfalls zu sehen sind Werke von Ernst Barlach, Joseph Mendes da Costa und Rudolf Bosselt, die Wewerka wesentlich inspiriert haben. Barlach war 1905 Wewerkas Lehrer in Höhr. Beide hatten große Schwierigkeiten, sich in das damalige autoritäre Schulsystem einzufügen. Bevorzugt widmeten sie sich der Beobachtung des Alltags und des öffentlichen Lebens.

Wewerkas bekannteste Figur Demonstrant wurde 1910 gemeinsam mit Mendes da Costas Sabbat in Düsseldorf ausgestellt. Beide Figuren sind in der Ausstellung zu sehen. Ebenso wie seine Marktfrauen, die gemeinsam mit Figuren von Ernst Barlach auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 ausgestellt waren.

Ab 1911 war Hans Wewerka Lehrer an der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule. Heute ist hier das Forum Gestaltung e.V. / Wewerka Archiv beheimatet. Die Ausstellungshalle, in der Hans Wewerka. Draußen gezeigt wird, wurde bereits damals für Präsentationen genutzt.

Mit seinem reformorientieren Unterricht trug Hans Wewerka in der „Klasse für Bildhauer und Modelleure“ wesentlich dazu bei, Magdeburg zu einem wegweisenden Ort für moderne Gestaltung zu machen. Der vielversprechende junge Künstler war erst 27 Jahre alt, als er in einem Feldlazarett in Frankreich verstarb.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog mit Werkverzeichnis. Diese erste umfassende Monografie dokumentiert Hans Wewerkas bisher unbekannten Werdegang und zeichnet die Verbindungslinien zu bedeutenden Künstlern seiner Zeit nach. Während des Ausstellungszeitraums ist der Katalog im Forum Gestaltung e.V. erhältlich.

Eine Gemeinschaftsausstellung des Forum Gestaltung / Wewerka Archiv und des Keramikmuseums Westerwald in Kooperation mit der Ernst Barlach Stiftung, Güstrow

weitere Stationen:

Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen
20. Januar bis 2. Juli 2023

Ernst Barlach Museen, Güstrow
27. August bis 19. November 2023