Nachrichten –

Classroom Chair

05.10.2026

Stefan Wewerka in der Kunsthal Rotterdam

 

In diesem Herbst/Winter präsentiert die Kunsthal Rotterdam eine Ausstellung, die sich um eine der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen von Stühlen dreht, die der Sammler Thierry Barbier-Mueller (1960–2023) zusammengetragen hat: A Chair and You.

Es ist die dritte Station dieser Sonderausstellung und gleichzeitig die letzte, für die der kürzlich verstorbene amerikanische Regisseur, Bühnenbildner und Künstler Robert Wilson (1941–2025) verantwortlich zeichnet. Für die Ausstellung in Rotterdam (25.09.2026 bis 31.01.2027) wählte er 150 Stühle von 124 Designern aus der Sammlung von Thierry Barbier-Mueller aus. Inspiriert von den darstellenden Künsten schuf Wilson mithilfe von Licht, Klang und Bühnenbild vier thematische Welten – von einem von Jackson Pollock inspirierten Raum mit farbenfrohen Formen und wundersamen Materialien bis hin zu einem Raum, der Ruhe und Ordnung ausstrahlt, mit klaren Linien und sanften Farbtönen, die an die Architektur der Moderne erinnern. Diese Gesamtinstallation unterstreicht die bedeutungsvolle, fast theatralische Kraft der Objekte und lässt die Stühle ohne Worte sprechen.

Der Genfer Unternehmer und Sammler Thierry Barbier-Mueller (1960–2023) trug seit den späten 1990er Jahren unzählige innovative und außergewöhnliche Stuhlobjekte zusammen, deren skulpturaler Charakter weit über die übliche Typologie von Stühlen hinausreicht. Der Stuhl verkörpert eine spannende Schnittstelle zwischen Ästhetik und Nutzen, eine Form mit unendlichen Möglichkeiten. Das wusste auch Stefan Wewerka, der sich Zeit seines Lebens mit Stuhlvariationen beschäftigte. Sein wohl berühmtestes Werk, der Classroom Chair, darf deshalb natürlich in der Sonderausstellung nicht fehlen. Wewerka beschrieb seine Faszination für Stühle so:

Der Stuhl ist eine der Sachen, die ich ausgewählt habe. […] Es ist folgendes: ich glaube, daß das erste Mobiliar, das Menschen hatten, bestimmt der Stuhl war, das Bett und der Tisch. Das kann so gewesen sein, daß es an einem Felsen einen Vorsprung gab und da konnte man sich hinhocken. Das hatten die ja irgendwann mal entdeckt, nachdem sie aus der Kniehocke rausgingen. Und ein Bett! Irgendwo mußte man ja schlafen und irgendwo mußte man ja auch was zu essen und zu trinken bekommen. Das müssen so die ersten drei Grundfunktionen gewesen sein. […] Das sind schon tolle Sachen, die durch die ganze Geschichte der Menschheit hindurchgehen und die sich eigentlich auch nie grundsätzlich verändert haben. […] Deswegen reizt mich der Stuhl sehr [Lachen].

(Wulf Herzogenrath (Hrsg.): Selbstdarstellung. Künstler über sich. Droste Verlag Düsseldorf, 1973, S. 243f.)

 

 

 

 

Nachrichten